Finanzkrise bei Bloggern angekommen?

Da soll mal einer glauben, die Finanzkrise trifft den Blogger an sich kaum. Bei uns hat sie jedenfalls insofern zugeschlagen, als der ehemals gesponserte Account (damals noch bei VNU Business Publications in die Wege geleitet) nun plötzlich nicht mehr gesponsert ist - als Nachfolgeunternehmen für die Web-Assets von VNU bekamen wir bei NetMediaEurope nun eine Rechnung - allerdings an die Zentrale in Paris, weswegenes eine Weile dauerte, bis dies hier ankam.

Egal: Sponsorings werden weltweit und nicht nur bei Firmen wie Typepad gestoppt. Viele Geldgeber haben zwar noch Milliardenbudgets, wie mir ein Finanzverwalter eines großen Versicherungsunternehmens erzählte, doch sie halten sie oft "aus kindlicher Angst" zurück. Gut, Blogservicebetreiber Typepad hat nicht ganz so viel Gelder übrig, doch in der IT-Branche geht es uns allen vergleichsweise gut.Meint übrigens auch IT-im-Unternehmen-Autor Sascha Steinhoff, der Unternehmen warnte, in das Gejammer der Finanzbranche einzustimmen. Lieber sollten sie kreativ sein und der CeBIT fernbleiben.

Dass die Verwerfungen der Banker, Immobilienzocker und aus anderen Gier-Berufen auch bei den IT'lern ankommen, liegt wohl einfach daran, dass die ehemaligen Computerfreaks längst in der "normalen" Welt angekommen sind - und daher von den oft überreagierenden Finanzmärkten ein wenig mitgerissen werden können. Aber nur, wenn sie nicht aufpassen - denn "IT ist nicht das Problem, sondern die Lösung", wie Microsoft-Deutschland-Mann Achim Berg auf der CeBIT erklärte (ja, die Messe gibt es auch noch!)

Zurück zum Anfang: Wegen dieser plötzlichen Rechnung (auch noch an die falsche Adresse) war es in IT Frontal eine Weile lang sehr ruhig geblieben - der Account war zeitweise gestoppt. Das wird sich ab kommende Woche wieder ändern - das Blog läuft weiter, und es gibt viel zu erzählen und zu lästern!

Viele Grüße,

Manfred Kohlen, NetMediaEurope.

Pseudoguitarrenhelden

Als berüchtigter Spielmuffel wurde ich vor ein paar Monaten genötigt bei Freunden eine Runde "Guitar Hero" zu spielen. Ich nahm also diese lächerlich kleine und viel zu leichte und überhaupt harmlos-weisse Plastikguitarre in die Hand und versuchte nach Vorlage zu rocken.

Zu Possum Kingdom von den Toadies durchlitt ich ein Bontempi-Heimorgel-Deja-Vu und versuchte die Kipphebel wie farblich angezeigt zu bewegen und dabei nicht daran zu denken, wie erbärmlich sich das anfühlte. Possum Kingdom hatte das nicht verdient.

Als ich gerade soweit Kontrolle über meine Finger erlangt hatte, dass ich den einen oder anderen Ton zu treffen schien, war das Stück auch schon zu Ende. Während mein Bassist ein neues Stück auswählte schweifte mein Blick aus dem Fenster wo ich auf dem Balkon gegenüber ein prachtvolles rauchendes Rock-Chick mit Nietengürtel erblickte, die süffisant mit ansah, wie wir mit unserem Plastikspielzeug hantierten.

Nicolas Carr (IT Doesn't Matter) schreibt nun in seinem Blog, wie absurd es ist, mit "Complete Control" von The Clash Werbung für Guitar Hero zu machen. Er hat nicht nur recht, ich teile auch seine Empörung aus Sympathie für The Clash im allgemeinen und dieses Stück im Besonderen. Guitar Hero in Zukunft also nur noch wenn es unbedingt sein muss und dann mit geschlossenen Jalousien.

Am Ende bleibt das Gefühl ein Spiel gespielt zu haben, dass mit Guitarre spielen so viel zu tun hat, wie ein Supermarkteinkauf mit Selbstfindung:

I'm all lost in the supermarket

I can no longer shop happily

I came in here for the special offer

A guaranteed personality

The Clash: "Lost in a Supermarket":

"Es gibt kein richtiges Leben im falschen" ist auch Punk. Außerdem, auch wenn es unmöglich ist jedes Instrument spielen zu können, kann man sich zurückhalten, wenn es darum geht es lächerlich zu machen. Man kann, man muss aber nicht.

Daniel Hinderink, dpool

Videocast mit dem Gründer von Aboalarm.de

Nach einem kurzen Bericht über den neuen Webdienst Aboalarm.de erklärt heute im Videocast Aboalarm-Gründer Dr. Bernd Storm, wie wir in Zukunft keine Kündigungsfrist mehr verpassen...

Etikettenschwindel bei Open Source

In aller Offenheit sangen The Who 1966 über das Gefühl nur ein Ersatz zu sein:

You think we look pretty good together
You think my shoes are made of leather

But I'm a substitute for another guy
I look pretty tall but my heels are high
The simple things you see are all complicated
I look pretty young, but I'm just back-dated, yeah


(Substitute)

In letzter Zeit fabulieren IT-Journalisten und (selbsternannte) Analysten gern von einer Open Source Welle, deren Zeugnisse aber bei näherem Hinsehen kaum zum Ersatz taugen, schon gar nicht zur Bereicherung des Open Source Angebots.

Denn tatsächlich sind Alfresco aber auch SugarCRM das, was man in den USA "token" Open Source nennt. Bei diesen dient der Open Source-Bonus als Türöffner in einen schwer zu erschließenden Markt. Im anderen, weit häufigeren Fall scheint es eher darum zu gehen Software, die im Lizenzmodell nicht (mehr) profitabel verkauft werden kann, noch schnell freizugeben bevor man Kunden für die Nutzung bezahlen muss und zu hoffen, dass die damit erreichte Verbreitung umsatzrelevante Effekte haben wird.

Was hier geschieht, ist eine sehr viel stärkere Verwischung der Grenzen zwischen Open und Closed Source, als das noch vor einigen Jahren denkbar war. Auf den ersten Blick ist das eine erfreuliche Entwicklung, denn nun können Kunden und Entwickler beides haben: einen offenen Quellcode und damit auf kurzen Wegen pfleg- und adaptierbare Software UND eine Garantie und den Support eines Herstellers.

Leider gibt es aber eine Reihe unerfreulicher Effekte, wenn Unternehmen ihre Produkte zu Open Source erklären. Der vielleicht gravierendste ist ein ausbleibender Effekt und kein eintretender: es entsteht so gut wie nie eine Community die selbst aktiv an der Weiterentwicklung beteiligt ist. Das sollte man auch als Kunde nicht unterschätzen, denn ohne Community keine kurzen Wege bei der Fehlerbehebung, keine freie Auswahl der Implementationspartner (bis hin zu eigenen Ressourcen) und keine Unabhängigkeit vom Hersteller. Besonders letzteres ist in diesen Zeiten ein gewichtiges Argument.

Gleichzeitig tun sich Unternehmen sehr viel leichter gezieltes und professionelles Marketing zu betreiben, als Open Source Communities (die gibt es auch, ganz ohne Hersteller!). Auch wenn sich mancher Entwickler sicher sein mag, dass für ihn zu allererst die Qualität der Software zählt, die Einkaufsabteilung zieht vielleicht doch den Hersteller als gewohnten Vertragspartner für die Software vor.

Auch der eine oder andere Techniker könnte sich irren und unter dem Etikett Open Source alle bekannten Vorteile erwarten und nicht nur den offener Quellen, denn ohne Community ist ein Open Source Produkt nur ein schlechter Ersatz.

Dann doch lieber "the real thing", selbst wenn sie vom Ersatz singen:

Daniel Hinderink, dpool

Verträge im Griff mit „Aboalarm“

Logo_aboalarmZum Jahreswechsel steigt nicht nur die Feiertags- und Bescherungsdichte: Während wir noch mit kreativem Geschenke-Management beschäftigt sind, gehen so nebenbei auch viele Verträge und Abonnements in die nächste Runde. Obwohl wir das Probeabo doch wieder kündigen wollten! Wann lief noch die Frist aus?

Das frisch gegründete Internet-Start-up Aboalarm.de bietet sich Nutzern als kostenfreie Gedächtnisstütze an, die rechtzeitig auf ablaufende Kündigungsfristen hinweist. Kommt dann der Tag X näher, kann der Nutzer sein Abo oder seinen Vertrag auch gleich mit Hilfe einfacher Textvorlagen direkt auf der Website von Aboalarm.de kündigen. Der Dienst verschickt das online erstellte Kündigungsschreiben dann per E-Mail an den Anbieter.

Datenschutz

Aboalarm gibt sich bei der Erstanmeldung mit einem Passwort und einer E-Mail-Adresse zufrieden, die nicht einmal bestätigt werden muss. Doch schon beim Verfassen eines Kündigungsschreiben gibt der Anwender persönliche Daten an wie Name, Adresse, Vertrag und Vertragsnummer. Angemeldete Nutzer können zudem ihre gesamten Abos in ihrem Profil hinterlegen und jeweils eigene Kündigungsalarme festlegen. Auf diese Weise entsteht natürlich ein für kommerzielle Anbieter hoch interessantes Komsum-Profil von Nutzern. Nach der eigenen Datenschutzerklärung verwende Aboalarm die anonymisierten Daten des Nutzers nicht für Marketingzwecke und gebe diese insofern nicht an Dritte weiter - dazu mehr kommende Woche im Videointerview.

- Vorbildlich in diesem Zusammenhang: Aboalarm bekennt ganz offen den Einsatz von Google Analytics. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und zudem rechtlich geboten. Trotzdem drücken sich noch immer viele Websitebetreiber um Transparenz in Sachen Webcontrolling. -

Der Verzicht auf Weitergabe persönlicher Nutzerdaten an Dritte ist besonders angesichts des Geschäftsmodells von Aboalarm wichtig: Der Dienst ist für die Nutzer kostenfrei. Einnahmen in Form von Provisionen bringen soll dagegen eine Funktion, die Abodienst in Kürze freischalten will: ein Tarifvergleich. Die nötigen Daten besorgt sich das Start-up extern. Hierzu hat Abodienst eine Kooperation mit dem Vergleichsportale Verivox angekündigt. Kündigung, Rercherche, Neuabschluss kann der Nutzer dann auf einem Portal erledigen.

In einem Videointerview werde ich kommende Woche Aboalarm-Gründer Dr. Bernd Storm van’s Gravesande zu Nutzen und Zielen seines Dienstes befragen und natürlich auch zum Aspekt Datenschutz.

Der Kabelmörder

Sie haben es vielleicht schon gelesen, es gibt einen neuen Namen, den man sich angeblich merken muss. Der Mann heisst Marin Soljačić und hat zu Nikola Teslas posthumer Ehre entscheidendes beigetragen. Durch Soljačićs Erfindung zur drahtlosen Übertragung von Strom wird praktisch nutzbar, was Tesla vor 100 Jahren bereits (erfolglos) versucht hatte.

Gehen wir einfach mal davon aus, dass diese Erfindung in zehn Jahren zum Standard geworden ist, was ändert sich tatsächlich? Zunächst ist die Frage nach der Eignung der Technik für verschiedene Anwendungen zu beantworten. Dabei bietet sich der Vergleich mit Wireless Netzwerken an. WiFi hat das Netzwerkkabel nicht überflüssig gemacht und ob WiTricity das kann, ist ebenso fraglich.

Wenn aber nur die Kabel für die vielen kleinen Stromverbraucher verschwänden, wäre bereits das eine erhebliche Veränderung und auch eine Verbesserung in vielfacher Hinsicht. Allein, ein Edison wird auch aus diesem Tesla nicht werden.

Daniel Hinderink, dpool

Finanzkrise - welche Finanzkrise? Die Blumen des bösen Internets blühen

Der illegale Handel mit Informationen ist recht lukrativ, wie die gestern veröffentlichte Studie von Symantec zeigt. Diese Erkenntnis mag dir, geneigter Leser, vielleicht nicht neu sein, aber die in diesem "Underground Economy Report" genannten Zahlen verblüffen doch: 276 Millionen  US Dollar. Dies ist der potenzielle Wert sämtlicher inserierter Güter und Dienstleistungen im Beobachtungszeitraum. Zugrunde liegt diesem Wert die von den Anbietern geforderten Preise. Kreditkarteninformationen sind dabei besonders beliebt. Sie machen 31 Prozent der gehandelten Waren aus. Und sind allein theoretisch maximal 5,3 Milliarden US-Dollar wert. Zwei Gedanken mögen dir, lieber Leser, hier durch den Kopf gehen: Gruselig, wann habe ich das letzte Mal online mit Kreditkarte bezahlt und vor allem: ich bin im falschen Job. Mehr zu all dem 'scary stuff' im Internet hier:

Carmen Hillebrand, Trimedia

Der Besucherservice - Teil 4/4

Ich versprach, etwas mehr über den vierten oder Superben - Grad des Websitebesuchs zu sagen. Mein Kostenvoranschlag beinhaltet auch, daß für nicht weniger als fünf Websites aus Ihrem Online-Portfolio gewisse alte E-Mails im Web veröffentlicht werden, offenbar vor Zeiten geschrieben und lange vergessen. Jede E-Mail wird die gefälschte Unterschrift irgendeines bekannten Windbeutels tragen, der mit Typografie, Verseaufsagen, Volkstanz, freier Autorenschaft oder einer ähnlichen Betätigung befaßt ist, die so frei von festen Regeln ist, daß sie die Schwachköpfe in ganzen Schwärmen anzieht. Jeder Brief wird eine makellose Fälschung sein und A.B., dem Betreiber der Website, für sein "sehr freundliches Interesse an unserer Arbeit" danken, wird Bezug nehmen auf seine "unschätzbaren Ratschläge und Belehrungen", sein "beispielsloses Wissen" um die Spielregeln des Hupfdohlenwesens, die "kundige und geduldige Art, mit der er das Corps am Montagabend führte", wird ihm für seine großzügige - zu großzügige - Subskription in Höhe von zweihunderttausend Euro danken, "die ich mehr zu würdigen wußte, als ich sagen kann". Als aktueller Anreiz wird eine zusätzliche E-Mail veröffentlicht - kostenlos. Sie wird unterzeichnet sein (oder doch zumindest diesen Eindruck erwecken) von dem einen oder anderen jungen kreativen Ausländer der lärmenderen Sorte, welche unser schönes Internet mit ihrer Anwesenheit beehren. Das wird den halbherzigen Ehrgeiz der meisten respektablen Plebejer auf der Suche nach dem neuesten Link-Tipp befriedigen und sie dazu bringen, ihre Filiale an jener etwas verstopften Verkehrsader, die man die Straße ins Verderben nennt, nicht zu schließen.

MyDigitalSelf
Den Herren, die sich mit mir im digitalen Kulturbund zusammengeschlossen haben, ist klargeworden, daß jetzt nicht die Zeit dafür ist, von einfachen Menschen durch dieses Medium des kunstinfizierten Blogbeitrags Bargeld zu ernten. Unsere neueste Schiebung ist daher die Mitgliedschaft im MyDigitalSelf-Portal. Treten Sie ihm bei, und ersparen Sie sich die nervenzermürbende Plackerei, die damit verbunden ist, wenn man sich seine Websites selbst produzieren und nach oben bugsieren muss. Wir nehmen Ihnen die Arbeit ab, und wenn Sie die Website bekommen, ist sie bereits in aller Munde, d.h. bereits durch die Hände unserer erfahrenen Websitebesucher gegangen, und das ohne Aufpreis. Sie erparen sich die Mühe, sie zu launchen, zu besuchen und zu verlinken, damit Ihre Freunde glauben, Sie könnten lesen (und schreiben).

In unregelmäßigen Abständen gibt es für Mitglieder, die gern ein Gespräch wie das folgende führen, auch eine Website oder ein Video, das auf dem Index steht-:
"Sag an, Alter, hast du diesen Reißer auf bit torrent schon runtergezogen?"
"Da bin ich mir gar nicht mal so sicher."
"Es steht nämlich auf dem Index, mein Guter."
"Oha."
Und das alles ohne den üblichen Unsinn; Sie brauchen kein Formular auszufüllen, keinen Prospekt anzufordern oder ähnlich Ärgerliches zu tun. Sie schicken uns einfach Ihre 210 Euro pro Monat, und schon nehmen Sie teil an diesem großen kulturellen Volksaufstand zum Wohle ihrer digitalen Reputation.

Daniel Hinderink, dpool
(frei nach Flann O'Briens "Buchhandhabung", Trost und Rat. München: Diana, 2000)

Erfindung elektronischer Bücher Gutenberg des 21. Jh.?

Ich hab ja schon des Öfteren die Usability des Buches gegenüber elektronischen Büchern hervorgehoben. Funktionieren ohne Strom. Wenn der mal ausfallen sollte, dann tut's auch die Kerze, halten länger etc. Und ja, vielleicht hast du, geneigter Leser, den Schlagabtausch zwischen Sascha Lobo und Mario Sixtus schon gesehen. Trotzdem mag ich hier als Frauenwort einwerfen. Kann einfach immer wieder erwähnt werden und ist einfach nur genial. Man sehe her und danke 3Sat neues.

Und was denkst du, lieber Leser? Auch wenn du dies jetzt so 1 auf 0 liest? Ist die Erfindung von Kindle und Co. der Gutenberg des 21. Jh.?

Carmen Hillebrand, Trimedia

Der Besucherservice - Teil 3/4

Man wird sich erinnern (wie, in drei Teufels Namen, hätte man es vergessen können?), daß ich letzten Montag das Thema des (Website-) Besucherservices behandelte, einen neuen Service, der unwissenden Menschen, die gern in Verdacht geraten wollen, Gelesene zu sein, in die Lage versetzt, ihre Websites in einer Weise frequentieren, kommentieren und verlinken zu lassen, daß der Eindruck entsteht, ihre Leser seien ihnen zärtlich ergeben.

Ich beschrieb drei Stufen des Besuchs und versprach zu erklären, was Sie in der vierten Abteilung erwartet: der Superbe Besuch , bzw. La Visite Superbe, wie wir Burschen sie nennen, die wir unsere Flitterwochen in Paris verbracht haben. Sie ist die teuerste von allen, sowieso, aber weit billiger als Schmutz, wenn Sie das hohe Maß an Prestige bedenken, das Sie Ihnen in den Augen Ihrer lachhaften Freunde einbringen wird. Hier sind die Details:

La Visite Superbe
Jede Website wird gut und wirklich und wahrhaftig besucht, zuerst von einem qualifizierten Websitebesucher und dann von einem Meister-Websitebesucher, der auf nicht weniger als 55.000 Online-Stunden zurückblicken kann; geeignete Passagen in nicht weniger als fünfzig Prozent der Seiten werden in den Kommentaren aller wesentlichen nationalen und internationalen Nachrichtenseiten (spiegel.de, heise.de, janes.com) zitiert und verlinkt, und in den Kommentaren und Foren ihrer Websites selbst wird eine angemessene Redensart aus der s.u. Liste beigefügt:
- Quatsch
- Ja, allerdings!
- Sehr wahr, sehr wahr!
- Da bin ich aber ganz anderer Meinung.
- Warum?
- Ja, aber vgl. Homer Od.III,151
- Na, na, na.
- Schon, aber Bousset hat in seinem Discours sur l'histoire universelle den gleichen Nachweise geführt und viel gehaltvollere Erklärungen abgegeben.
- Unsinn, Unsinn!
- Gut gegeben!
- Aber warum, um Himmels willen?
- Ebendies hat mir vor Jahren der arme Stallman gesagt.

Muß ich hinzufügen, daß man auch jederzeit spezielle und exklusive Redensarten anfordern kann? Der Aufpreis ist nicht sehr hoch, wirklich nicht.

Außerdem
Das ist natürlich noch nicht alles. Hören Sie sich dies an: Nicht weniger als sechs E-Mails werden mit gefälschten Zuneigungs- und Dankbarkeitsbezeugungen im Netz veröffentlicht, z.B.:

"Für meinen alten Freund und Zunftkollegen A.B. in liebevoller Erinnerung von Stefan Niggemeier",

"In dankbarer Anerkennung der großen Freundlichkeit, die du, lieber A.B., mir hast angedeihen lassen, sende ich Dir den Admin-Account für Basic Thinking. Dein alter Freund Robert Basic."

"Tja, A.B., wir sind beide nicht mehr die Jüngsten. Angeblich habe ich mich inzwischen zu einem ganz passablen Schriftsteller gemausert, aber ich bin immer noch nicht alt genug, die unendliche Geduld zu vergessen, die Du bewiesen hast, als Du meine jungen Füße auf dem Pfad der Literatur geleitetest. Nimm dieses Buch, und mag es noch so dürftig sein, mit gleicher Post entgegen, und glaube mir bitte, daß ich immer bleiben werde, was ich war und bin: Dein Freund und Bewunderer Philip Roth."

"Von Ihrem ergebenen Freund und Jünger N. Negroponte."

"Lieber A.B.: Deine unschätzbar wertvollen Vorschläge und Dein Beistand - die Freundlichkeit gar nicht zu erwähnen, die Du an den Tag legtest, als Du das gesamte 3. Kapitel umgeschrieben hast - all das berechtigt dich wie keinen anderen zu diesem ersten Exemplar von "Nach Bush: das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten. ". Dein alter Freund Paul Krugman."

"Da ich mir das große Vergnügen, Sie persönlich zu besuchen, im Augenblick versagen muß, lieber A.B. sende ich Ihnen ein Exemplar von 'The World is Flat'. Mir fehlt Ihre Gesellschaft mehr, als ich sagen kann... (Unterschrift unleserlich).

Man wird den Schwachkopf, der so gelobt wurde, bitten, dazu folgenden Spruch zu twittern (und ihm nötigenfalls zeigen, wie man das macht): "Der arme alte Friedman war gar nicht mal der Übelste."

All dies hat länger gedauert, als ich dachte. Und es wird noch viel mehr geboten für die lumpigen 7776 Euro und 76 Cent, die Sie der Superbe Besuch kosten wird. In einer Woche hoffe ich, die alten Newsposts berühmter Persönlichkeiten erläutern zu können, die in GMane geschmuggelt werden und auf ihre Websites verweisen werden, jede einzelne ein exquisites Stück Fälscherkunst. Bestellen Sie Ihr Exemplar schon jetzt.

Daniel Hinderink, dpool
frei nach Flann O'Briens "Buchhandhabung", Trost und Rat. München: Diana, 2000.

Der Besucherservice - Teil 3/4

Man wird sich erinnern (wie, in drei Teufels Namen, hätte man es vergessen können?), daß ich letzten Montag das Thema des (Website-) Besucherservices behandelte, einen neuen Service, der unwissenden Menschen, die gern in Verdacht geraten wollen, Gelesene zu sein, in die Lage versetzt, ihre Websites in einer Weise frequentieren, kommentieren und verlinken zu lassen, daß der Eindruck entsteht, ihre Leser seien ihnen zärtlich ergeben.

Ich beschrieb drei Stufen des Besuchs und versprach zu erklären, was Sie in der vierten Abteilung erwartet: der Superbe Besuch , bzw. La Visite Superbe, wie wir Burschen sie nennen, die wir unsere Flitterwochen in Paris verbracht haben. Sie ist die teuerste von allen, sowieso, aber weit billiger als Schmutz, wenn Sie das hohe Maß an Prestige bedenken, das Sie Ihnen in den Augen Ihrer lachhaften Freunde einbringen wird. Hier sind die Details:

La Visite Superbe
Jede Website wird gut und wirklich und wahrhaftig besucht, zuerst von einem qualifizierten Websitebesucher und dann von einem Meister-Websitebesucher, der auf nicht weniger als 55.000 Online-Stunden zurückblicken kann; geeignete Passagen in nicht weniger als fünfzig Prozent der Seiten werden in den Kommentaren aller wesentlichen nationalen und internationalen Nachrichtenseiten (spiegel.de, heise.de, janes.com) zitiert und verlinkt, und in den Kommentaren und Foren ihrer Websites selbst wird eine angemessene Redensart aus der s.u. Liste beigefügt:
- Quatsch
- Ja, allerdings!
- Sehr wahr, sehr wahr!
- Da bin ich aber ganz anderer Meinung.
- Warum?
- Ja, aber vgl. Homer Od.III,151
- Na, na, na.
- Schon, aber Bousset hat in seinem Discours sur l'histoire universelle den gleichen Nachweise geführt und viel gehaltvollere Erklärungen abgegeben.
- Unsinn, Unsinn!
- Gut gegeben!
- Aber warum, um Himmels willen?
- Ebendies hat mir vor Jahren der arme Stallman gesagt.

Muß ich hinzufügen, daß man auch jederzeit spezielle und exklusive Redensarten anfordern kann? Der Aufpreis ist nicht sehr hoch, wirklich nicht.

Außerdem
Das ist natürlich noch nicht alles. Hören Sie sich dies an: Nicht weniger als sechs E-Mails werden mit gefälschten Zuneigungs- und Dankbarkeitsbezeugungen im Netz veröffentlicht, z.B.:

"Für meinen alten Freund und Zunftkollegen A.B. in liebevoller Erinnerung von Stefan Niggemeier",

"In dankbarer Anerkennung der großen Freundlichkeit, die du, lieber A.B., mir hast angedeihen lassen, sende ich Dir den Admin-Account für Basic Thinking. Dein alter Freund Robert Basic."

"Tja, A.B., wir sind beide nicht mehr die Jüngsten. Angeblich habe ich mich inzwischen zu einem ganz passablen Schriftsteller gemausert, aber ich bin immer noch nicht alt genug, die unendliche Geduld zu vergessen, die Du bewiesen hast, als Du meine jungen Füße auf dem Pfad der Literatur geleitetest. Nimm dieses Buch, und mag es noch so dürftig sein, mit gleicher Post entgegen, und glaube mir bitte, daß ich immer bleiben werde, was ich war und bin: Dein Freund und Bewunderer Philip Roth."

"Von Ihrem ergebenen Freund und Jünger N. Negroponte."

"Lieber A.B.: Deine unschätzbar wertvollen Vorschläge und Dein Beistand - die Freundlichkeit gar nicht zu erwähnen, die Du an den Tag legtest, als Du das gesamte 3. Kapitel umgeschrieben hast - all das berechtigt dich wie keinen anderen zu diesem ersten Exemplar von "Nach Bush: das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten. ". Dein alter Freund Paul Krugman."

"Da ich mir das große Vergnügen, Sie persönlich zu besuchen, im Augenblick versagen muß, lieber A.B. sende ich Ihnen ein Exemplar von 'The World is Flat'. Mir fehlt Ihre Gesellschaft mehr, als ich sagen kann... (Unterschrift unleserlich).

Man wird den Schwachkopf, der so gelobt wurde, bitten, dazu folgenden Spruch zu twittern (und ihm nötigenfalls zeigen, wie man das macht): "Der arme alte Friedman war gar nicht mal der Übelste."

All dies hat länger gedauert, als ich dachte. Und es wird noch viel mehr geboten für die lumpigen 7776 Euro und 76 Cent, die Sie der Superbe Besuch kosten wird. In einer Woche hoffe ich, die alten Newsposts berühmter Persönlichkeiten erläutern zu können, die in GMane geschmuggelt werden und auf ihre Websites verweisen werden, jede einzelne ein exquisites Stück Fälscherkunst. Bestellen Sie Ihr Exemplar schon jetzt.

Daniel Hinderink, dpool
frei nach Flann O'Briens "Buchhandhabung", Trost und Rat. München: Diana, 2000.

Web 3.0 - Bedarfsanmeldung

Nicht nur in der aktuellen Wirtschaftsphase fällt auf, dass die meisten Autoren voneinander abschreiben. Es herrscht eine unglaubliche Flut von eintönigen, gleichlautenden, daher langweiligen Artikeln und Kommentaren, die immer wieder die gleiche oder sehr ähnliche Botschaften vermitteln. Das erstreckt sich nicht nur auf veröffentlichte Meinung der Experten und Laien im Internet und anderen Medien, sondern auch immer mehr auf die Wissenschaft.

Im speziellen Fall könnte man die verbreitete Meinung für die Gründe der Finanzkrise mit "Marktversagen", "mangelnde Kontrolle" und ähnlichen Schlagworten treffend charakterisieren. Es ist nun, mit den aktuellen Mitteln des Internets, gar nicht so einfach, eine gegenteilige Meinung zu finden, sogar der liberale "The Economist" teilt sie. Einen fundierten, gegenteiligen, sehr guten Artikel gibt es im aktuellen "Der Steuerzahler", von Matthias Warneke, unter dem Titel "Markt- oder Politikversagen". (Leider nicht frei im Web auffindbar und hier also nicht verlinkbar).

Neben diesem aktuellen Thema, das sehr einseitig und unvollständig diskutiert wird, gibt es viele andere Themen, auf die das leider auch zutrifft. Die Entscheidungen, die dabei in der Regel getroffen werden, sind mit zeitlichem Abstand gemessen oft fürchterlich falsch.

Ein Beispiel dafür aus der näheren Vergangenheit der IT: Das Jahr 2000-Problem oder die Y2K Panik. Milliarden wurden damals investiert, um Probleme zu beheben, die so gar nicht bestanden oder anders gelöst hätten werden können.

Eine anderes, bekanntes, aus dem Mittelalter, ist die Hexenverfolgung. Etwa 50.000 Menschen wurden im Rahmen der Hexenverfolgung getötet, Männer wie Frauen. Es ist deshalb so bemerkenswert, weil Klerus, Adel, Wissenschaft und das "einfache" Volk sich im Mittelalter absolut sicher waren, dass es Hexen gibt und dass sie vernichtet werden müssen.

Gleiche Meinungen sind attraktiv für uns, denn sie reduzieren Unsicherheit. Wir mögen keine Unsicherheit, besonders dann nicht, wenn wir uns aufgrund einer Krise unwohl fühlen und es uns nicht gut geht. Was wir also brauchen, um dennoch nicht ganz falsche Entscheidungen zu treffen, ist eine Hilfe. Und zwar eine Hilfe dergestalt, dass wir Meinungen, die von der vorherrschenden abweichen, ganz leicht auffinden können.

Was ich als Bedarf für Web 3.0 also anmelde ist: Zu jedem Artikel/Meinung/Veröffentlichung, die ins Web gestellt wird, soll man auf Wunsch gleichlautende, ähnliche und gegenteilige Meinungen angezeigt bekommen. Denn das hilft dem Autor, der den Artikel, wenn er nichts Neues zu sagen hat, nicht veröffentlichen soll und dem Leser, weil er mit einem Knopfdruck Zugriff auf gleiche oder andere Einschätzungen hätte.

So komplex das scheint, die Bestrebungen gehen in die Richtung.

Nikolaus Krasser, Pentos AG

Fanta Vier landen im Selfkant - Smudo im Interview

Derzeit bestimmt eine Diät aus Finanzkrise, Weltrezession, Obamas neuem Job und Cloud-Computing unsere mediale Verdauung. Aber es gibt noch andere Themen. Zwischen den Mühlen der Weltgeschichte gibt es noch Rapper, die sich im Selfkant, nahe der deutch-holländischen Grenze, den wirklich großen Fragen des Lebens stellen. Im Interview erzählt Fanta-Vier-Rapper Smudo über Vaterschaft, die Zufälligkeit der menschlichen Existenz, Demut, Zeitmanagement und das lange Jahre von ihm unterschätzte Lebenswerk seiner Mutter.

Das Interview führte Eva Lux.

Thomas Sprenger

Interview mit Aza Raskin zur UI-Entwicklung bei Firefox

Wer seinen Eltern schon mal Nachhilfe am Computer gegeben hat, weiß, wie grundlegend das Thema User Experience ist. Während Designer, Entwickler und Kaufleute jeweils eigene Interessen bei der Entwicklung einer Software verfolgen, denken die Macher oft zu wenig an jene, die ihr Produkt hinterher benutzen müssen - bzw. deren Nachkommen.

Aza Raskin, verantwortlich für das Thema User Experience in den Browser-Entwicklungslabors bei Mozilla, macht im Interview anschaulich, wie viel Intelligenz man in dieses Thema stecken kann und wie weit viele Softwareschmieden von einem humanen Interface-Design entfernt sind.

Thomas Sprenger

Softwareprobleme mit Gattin 1.0 vs. Freundin 7.0

An Tagen, an denen auch dein Blick aus dem Fenster, geneigter Leser, grau und regnerisch erwidert wird, dachte ich mir, ein wenig zur Erheiterung beizutragen. Lies hier die Supportanfrage eines Users zu Problemen mit "Gattin 1.0" vs. Anwendungen wie z.B. "Fußballsonntag 2.5". Bei "Gattin 1.0" bleiben oder wieder "Freundin 7.0" installieren, das ist die Frage. Mehr hier. Weiblichen Usern unter euch sei dieser Supportfall ans Herz gelegt.
Und für welches Betriebssystem hast du dich entschieden? Kam es zu Systemabstürzen? Auf welche Inkompatibilität bist du gestoßen?

Carmen Hillebrand, Trimedia

Der Besucherservice - Teil 2/4

Ja, die Frage der Websitebesucher. Vor einer Woche sprach ich über den Bedarf, den wir an einem professionellen Websitebesucher haben, einem Menschen, der die Blogs analphabetischer, aber wohlhabender Emporkömmlinge so frequentiert, daß diese bei Google Analytics so erscheinen, als seien sie von ihren Besuchern mindestens zweimal gelesen worden. Wie viele Arten des Besuchens würde es geben? Ohne länger darüber nachzudenken, würde ich sagen: vier. Angenommen, man bittet einen erfahrenen Surfer, die Lektüre eines Shared Hosting Servers von 80 GB mit bis zu 8 Domains zu veranschlagen. Dann würde sich sein Kostenvoranschlag in vier Abteilungen gliedern:

Erstklassiger Besucherservice.
Jede Website wird vollendet besucht, vier Seiten pro Domain mit google-Referrern versehen, in nicht weniger als 5 fremden Blogs wird eine geeignete Passage zitiert und mit einem Link bedacht, und als vergessenes Lesezeichen bekommen alle Domains je einen Eintrag bei Mister Wong. Das kommt dann auf 2117 Euro 17 Cent. Fünf Prozent Rabatt für Literaturstudenten, Staatsbeamte und Sozialarbeiterinnen.

Das Passende für jeden Geldbeutel
Das großartige an diesen abgestuften Tarifen ist, daß niemand unbeachtet oder ungebildet erscheinen muß, nur weil er oder sie arm ist. Denn nicht jeder vulgäre Mensch, merken wir uns, ist wohlhabend, obwohl ich da einige... Wie auch immer. Wenden wir uns nun den aufwendigen Graden des Websitebesuchs zu. Der folgende ist seinen Aufpreis mehr als wert.

Besucherservice De Luxe
Jeder Beitrag wird mit Kommentaren übel zugerichtet, die Statistiken der PDA-freundlichen Ausgabe werden in einer Weise aufgebläht, die den Eindruck entstehen läßt, sie seien auf Schritt und Tritt herumgetragen worden, eine Passage in jedem Blogbeitrag wird mit einem Backlink bedacht, eine Textpassage aus einem Brand Eins-Artikel wird als Kommentar eingetragen (drei Prozent Ermäßigung, wenn alte Passagen aus der Welt Am Sonntag akzeptiert werden), nicht weniger als dreißig HTML-Seiten werden mit direkten Referrern behandelt und nicht weniger als fünf Websites mit gefälschten Mister Wong-Einträgen versehen. Fünf Prozent Rabatt für Bankfilialleiter, Landräte und Geschäftsführer von Betrieben mit nicht mehr als 35 Beschäftigten. Verlinkte WikiPedia-Einträge werden auf Anweisung extra angefertigt; 20 Euro das halbe Dutzend. Wahlweise Preisliste für alte Textpassagen aus der Lettre anfordern. Dieser Service ist nur für begrenzte Zeit im Angebot. Netto 4118 Euro und 18 Cent.

Bestellen Sie Ihr Exemplar schon jetzt!
Die viertes Stufe ist der Superbe Besuch oder Frequentierung, obwohl sie eigentlich nie so genannt wird; La Visite Superbe ist die weit üblichere Bezeichnung. Sie ist so superb, daß ich heute keinen Platz für sie habe. Sie wird nächsten Montag an dieser Stelle erscheinen, und um diesen Anlaß zu ehren, wird die IT-Frontal an jenem Tag auf handgeschöpften antiken durchwirkten hadernhaltigen halbgerupften extrafeinen niederländischen Papier bedruckt erscheinen, jedes Exemplar von mir persönlich signiert und mit einem exquisiten Bild des Google Campus in Drei-Farben-Steindruck-Technik als Beilage. Das mindeste, was Sie tun können, ist, Ihr Exemplar im voraus zu bestellen. Und noch eine Bemerkung. Es genügt nicht, daß Sie Ihr Exemplar bestellen. Bestellen Sie es im voraus!

Daniel Hinderink, dpool
frei nach Flann O'Briens "Buchhandhabung", Trost und Rat. München: Diana, 2000.

Kinderleicht ...

Don't make me think, ein Buch von Steve Krug, zeigt anschaulich, worauf es für Anwender ankommt: Einfache, selbsterklärende Abläufe und Applikationen.

Das iphone scheint dazu aktuell die neuen Standards zu setzen. Schon kleine Kinder können den Touchscreen erfolgreich bedienen und haben Spass daran. Wird das die Messlatte für die Zukunft? ERP Systeme, die man mit Spaß und Freude bedient? Warum nicht!

Nikolaus Krasser, Pentos AG

Googles Book Search könnte das Internet revolutionieren

Google ist mittlerweile bekannt für seine trojanische Pferdezucht. Durch nutzerfreundliche, kostenfreie und intelligent vernetzte Produkte hat sich die kalifornische Suchmaschinenfabrik den Zugang zu unseren Benutzerdaten verdient. Die Aufregung um ihren letzten Coup, den hauseigenen Browser Chrome, ist noch nicht verebbt, da setzen die Webpioniere aus Mountain View schon den nächsten Meilenstein. Nur dass diesmal alles ein paar Töne leiser verlief. Vergangene Woche meldeten die Nachrichtenportale und Blogs, dass US-Verleger und -Autoren künftig 125 Millionen Dollar dafür erhalten sollen, dass Google den Inhalt ihrer Bücher in seinen Suchschlitz saugen darf. Die Einigung legt einen drei Jahre währenden Streit bei und hat vermutlich Vorbildcharakter für die Zusammenarbeit mit der Verlagswelt in Europa und Asien. Trotz aller Gegenwehr, gerade auch im Land der Dichter und Denker, könnte der neue Suchdienst den nächsten Meilenstein in der Entwicklung des Internets bedeuten, doch anders als es auf den ersten Blick scheint…

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Der Besucherservice - Teil 1/4

Neulich habe ich dem Büroloft eines Bekannten einen Besuch abgestattet, und dieser Besuch gab mir zu denken. Mein Bekannter ist sehr vermögend und sehr vulgär. Als er sich darangemacht hatte, Firmenwagen, Barristas, Flipchartpapier und was nicht alles zu kaufen, kam ihm die Idee, auch noch eine Website anzuschaffen.
Ob er lesen kann, weiß ich nicht, aber irgendeine primitive Beobachtungsgabe sagte ihm, daß die meisten Menschen von Rang und Ansehen jede Menge Präsenzen im Netz haben. Also kaufte er mehrere Domains und bezahlte einen schurkigen Mittelsmann dafür, sie mit neuen Websites aller Art vollzustopfen, darunter einige sehr kostspielige Blogs, welche die französische Postmoderne zum Thema hatten.

Ich bemerkte bei meinem Besuch, daß keine dieser Websites besucht, verlinkt oder gar kommentiert worden war, und erwähnte diese Tatsache- "Wenn ich mich erst mal ein bißchen eingelebt habe", sagte der Narr, "komme ich wieder dazu, etwas Netzlektüre nachzuholen." Und das gab mir zu denken. Warum sollte so ein wohlhabender Mensch sich die Mühe machen und so tun, als läse man ihn überhaupt? Warum sollte da nicht ein professioneller Websitebesucher auf den Plan treten und seine Websites für Soundsoviel pro HTML-Seite angemessen besuchen und sonstwo verlinken? So ein Mensch könnte, die nötige Qualifikation vorausgesetzt, ein Vermögen verdienen.

Lassen Sie mich erklären, was ich meine. Laut Webstatistik sehen die Websites völlig ungelesen aus. Anderseits sieht spiegel.de so gelesen aus, daß es fast in Fetzen fällt. Man weiß, daß spiegel.de vielleicht eine millionmal aufgerufen und überflogen wurde, und wenn man nicht wüßte, daß es so etwas wie Webfilter gäbe, würde man meinen der durchschnittliche Arbeitnehmer läse den ganzen Tag darin. Ähnlich ist es bei unserem Schwachkopf, welcher möchte, daß seine Bekannten aus einem flüchtigen Blick auf seine Blogs, Portale und Websites schließen, er könne nur ein Intellektueller sein. Er kauft sich eine riesige Videosammlung von Sofagesprächen berühmter Koryphäen und veröffentlicht diese. Unser Problem ist es nun, die Kommentare in angemessen kurzer Zeit so zu verändern, daß jeder, der sie liest, nur folgern kann, daß seine Besucher die Videos unseres Bekannten gesehen, gebookmarked und getwittert haben.

Nun können Sie, wenn Sie wollen, das Gespräch auf den Entwurf einer Maschine bringen, die, von einem kleinen, aber leistungsfähigen Programm angetrieben, jede Website in fünf Minuten "liest", so daß das Äquivalent einer "Lese"-Zeit von fünf oder zehn Jahren durch einfachen Knopfdruck erzielt wird. Diese jedoch ist die billigste, seelenlose Lösung, wie sie in unsere schnellebige Zeit paßt. Keine Maschine kann die gleiche Arbeit verrichten wie die sanften Finger eines Menschen. Der geübte und erfahrene Websitebesucher ist die einzig wahre Antwort auf diese zeitgenössische soziale Frage.

Was tut er? Wie arbeitet er? Was würde er berechnen? Wie viele Arten des Besuchs würde es geben? Diese Frage und noch viele andere werde ich nächste Woche beantworten.

Daniel Hinderink, dpool
frei nach Flann O'Briens "Buchhandhabung", Trost und Rat. München: Diana, 2000

Vom Kampf der Communities

Inspiriert von der gestrigen Simpsons-Folge, die H.G. Wells "Krieg der Welten" zitierte, heute mal etwas Belustigendes zum Thema: Krieg der Communities. Und von welcher Community fühlst du dich verfolgt, geneigter Leser? Möge die Macht mit dir sein.

Carmen Hillebrand, Trimedia

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